Please, don’t be evil, google!
Oktober 6th, 2006Don’t be evil!
Aber so langsam häufen sich doch die entgegengesetzten Berichte, zum einen ist da natürlich die Zusammenarbeit von google - und alle anderen viel zu großen Suchmaschinen wie msn, yahoo, … - mit der chinesischen Regierung, um die große chinesische Firewall zu unterstützen, dafür aber Marktzugang zu erhalten, s. z.B.:
Google: Zensur in China verletzt Firmenideologie - winfuture.de
Google in China - Die besten Seiten fehlen - FAZ.net
Protest gegen Google-Zensur wächst - gulli.com
Google übt in China Selbstzensur - stern.de
Googles “reiche Ernte” - durch Selbstzensur - tagesschau.de
Weiter gehts dann mit seltsamen Zensurmethoden im Interesse fragwürdiger Firmen… vgl. dazu Blogberichte:
AXONAS (1, 2, 3 und 4) kritisiert eine Unternehmenskultur (sehr freundliche Formulierung…) und schon verschwindet der Bericht über Firmen wie Easydentic, Adhersis, Compagnie Européenne de Télésécurité (CET), Eurotec, Euroweb Marketing und Euroweb Asset Managing aus den Suchergebnissen von Google, und statt dessen steht am Ende der Suchseite:
Aus Rechtsgründen hat Google 1 Ergebnis(se) von dieser Seite entfernt. Weitere Informationen über diese Rechtsgründe finden Sie unter ChillingEffects.org.
… leider ist aber der angegebene Link nicht sehr aufschlussreich, denn:
Notice Unavailable
The notice you requested is not yet available.
Chilling Effects serves as a clearinghouse for cease-and-desist notices. Chilling Effects is not the sender of these notices, and is not responsible for removing pages from the web or search engine listings. If you believe a web page or site was wrongly removed, you should contact the ISP or search engine who removed the site. In the case of an improper DMCA notification, you may wish to file a counter-notification.
Ende der Geschichte. Bzw. fast. Denn einige Blogger haben dazu einen passenden Bericht bei heise.de gefunden, wo die Suchmaschinenbetreiber sich über ihren mangelnden Schutz vor Klagen - ich nehme mal an angedacht sind vor allem solche und vielleicht sogar solche? - im geplanten Telemediengesetz ausheulen.
Und dazu gibt es natürlich noch diverse bloggerische Solidarbekundungen wie Boocompany, Treehuggin’Pussy, Das Weblog der Frankfurter neuen Presse, Mein Parteibuch, Nerdcore, Jens Scholz, Wirres, murksblog, unkreativ,… und das sind nur die besseren Artikel.
Aber das ist noch lange nicht das Ende der Zensurstories bei Google, denn wer mal ein wenig googled yahoot (yahood? yahoed? yahuut? … kein Wunder, dass sich googeln durchgesetzt hat!) findet schnell noch ein paar andere, zum Grübeln anregende Berichte…
Google lehnt Werbeanzeigen von Umweltschützern ab
[…] das hatte die Umweltschutzorganisation Oceana im Rahmen ihrer Kampagne Stop Cruise Pollution getan. Wenn ein Google-Nutzer nach den Begriffen “cruise vacation” oder “cruise ship” suchte, sollten zwei unterschiedliche Oceana-Anzeigen eingeblendet werden. Die Erste richtete sich allgemein gegen Kreuzfahrten in der Karibik, […] hatte den Wortlaut: “Help us protect the world’s oceans”. Die andere Anzeige kritisierte gezielt die Kreuzfahrtgesellschaft Royal Caribbean, der die Umweltschützer die Verklappung von Abwässern auf hoher See vorwerfen. Oceana fordert demgegenüber eine umweltgerechte Entsorgung.
Beide Werbeanzeigen hatte Google zunächst akzeptiert. Sie liefen allerdings nur zwei Tage im AdWords-Programm der Suchmaschine, dann wurden sie entfernt. Begründung: Die beiden Anzeigen seien zu aggressiv und würden sich gezielt gegen ein einzelnes Unternehmen bzw. gegen einen ganzen Industriezweig richten.
Wie CNN.com am 25. Oktober berichtete soll eine Untersuchung der Harvard Law School in den USA ergeben haben, daß die französische, sowie die deutsche Variante der beliebten Search Engine “Google” immer stärkerer Selbstzensur zum Opfer fallen.
So hat man in einem direkten, stichprobenartigen Vergleich mit der Mutterseite Google.com festgestellt, daß bei Google.de mindestens 65 Webseiten bei einer Suche nicht mehr aufgelistet werden. Diese 65 und 48 weitere sogar bei Google.fr. Damit sind diese beiden Länder derzeit weltweit Spitzenreiter.
[…]
Die meisten der zensierten Webseiten fallen in den Bereich der Holocaust-Leugnung oder der “White Power”-Bewegung.
[…]
Daß die vorauseilende Selbstzensur der Internet-Suchmaschinen nicht nur diverse nazistische Inhalte betrifft zeigt der Fall der “Church of Scientology”. Diese stützte sich vor einiger Zeit auf den neuen, sogenannten “Digital Millenium Copyright Act” in den USA, welcher es Suchmaschinen-Betreibern vorschreibt, Inhalte, die Kopierrechte verletzen, aus dem Index zu entfernen, sofern der Kopierrechtsinhaber dies wünscht. Google.com entfernte damals prompt stolze 126 Seiten aus seinem Index, viele von ihnen Kritikerseiten. Eine davon “Operation Clambake”[2] auf Xenu.net aus Norwegen, bis dahin auf Rang 4 bei der Suche nach dem Begriff “Scientology”. Für eine Low-Budget-Seite durchaus beachtlich, wenn man ihr das systematische und flächendeckende “Google-Bombing”[3] der Scientology gegenüberstellt.
da bekommt man auch noch ein schönes Urteil mitgeliefert, dass ich gerne unterschreibe:
In Deutschland oder in Frankreich lebende Menschen müssen für genauso fähig genommen werden, mit der ihnen zur Verfügung stehenden Information umgehen zu können, wie jeder Andere auf dieser Welt.
…ganz meine Meinung! Selbst bei solchen Themen wie Nazipropaganda - wir sollten aus der Vergangenheit gelernt haben, dass Zensur niemals ein demokratisches Mittel sein kann. Und ein Thema zu unterdrücken bringt ihm manchmal eher noch neue Nahrung - wie sonst könnten sich die Nazis als Opfer darstellen?
Und noch ein schöner Artikel zum Nazifilter: Google filtert - dabei noch ein paar mehr Infos dazu, dass man etwas mehr tun muss als nur google.com statt .de zu verwenden und wie schlecht die Scheinbegründungen für die Zensur sind…
Aber es wird noch gruseliger: Wie Google und Yahoo Zensur ausüben
Mit G-Mail etablierte Google im vergangenen Jahr ein weiteres Spitzel-Instrument. Alle E-Mails eines Nutzers werden lebenslang mitgelesen und analysiert, obwohl die Sender der Nachrichten solchen Analysen nie zugestimmt haben. Jede E-Mail wird lebenslang von Google gespeichert. Google verfügt damit über mächtige Instrumente, um weltweit ein immer genaueres Profil eines jeden Nutzers zu erstellen. Ob die finanzielle Situation, die politischen Meinungen oder die sexuellen Vorlieben – Google weiß alles über seine Nutzer. Dieses US-Unternehmen, das keiner gesetzlichen Kontrolle unterliegt wie wenigstens noch im begrenzten Umfang die amerikanischen Geheimdienste CIA oder NSA, ist damit fast allwissend und in gewisser Weise mächtiger als jede Spionageorganisation der US-Regierung.
Während Google behauptet, Datenschutzbestimmungen von Bürgern zu respektieren, verschweigt das Unternehmen, dass es nach dem amerikanischen „Patriot Act“, der als Folge der Anschläge von 11. September 2001 zur Bekämpfung des Terrorismus von Präsident Bush unterschrieben wurde, dazu verpflichtet ist, auf Verlangen entsprechender Regierungsstellen alle gespeicherten Daten an diese weiterzugeben. Dafür reicht bereits ein Verdacht aus – eine gerichtliche Anordnung ist nicht erforderlich. Der internationale Nutzer von Google wird nicht informiert. Das Unternehmen ist verpflichtet, über den Vorgang absolutes Stillschweigen zu wahren.
Angeregt durch einen späteren Absatz in dem Artikel hab ich gleich mal nachgeschaut: Wer bei Google “google Zensur” eingibt erhält die Auskunft, dass es 879.000 Ergebnisse gibt. Davon sind, mit eingeschaltetem “ähnliche Resultate überspringen”, gerade mal 720, ohne, gerade mal 1000 Ergebnisse zu sehen - meines Wissens gab es die Einschränkung früher nicht, wobei ich mich gerade auch ernsthaft fragen muss, ob ich jemals so weit durchgeklickt habe…. Jedenfalls kann man so natürlich auch schön zensieren - einfach nach hinten verschieben. Ok, keiner kann verlangen, dass da alles angezeigt wird, aber wie sehr die Anfangsergebnisse bei den selben Suchbegriffen bei anderen großen Suchmaschinen abweichen ist schon mehr als auffällig. Wobei man natürlich auch behaupten kann, diese würden die negative Publicity pushen um google zu schaden. Fragen über Fragen.
Auch gut zu lesen ist dann ein Artikel der selben Seite dazu, wie sie nach der Veröffentlichung kritischer Berichte durch schlechtes PageRank abgestraft wurde: Big Brother sitzt längst im Internet.
Und dann gibt es vielleicht sogar Zensur bei google Video?
Weiter gehts erstmal ganz entspannt mit einigen Zahlen mit denen google angibt die google selbst veröffentlicht:
- Durchsuchte Webseiten: 8 Milliarden+
- Bilder: 1 Milliarden+
- Usenet-Mitteilungen: 1 Milliarden
- Sprachen, für die Google eine Nutzeroberfläche bietet: Mehr als 100
- Sprachen, in denen Google Ergebnisse bietet: 35
- Internationale Domains: Mehr als 100
- Mitarbeiter: Mehr als 3.000 weltweit
Ist doch beruhigend zu wissen, wie sehr ein einzelner Konzern die Informationsflut des WWW dominiert… und dann kommen da natürlich immer mehr Übernahmen, die Google tätigt, und dadurch noch einflussreicher, mächtiger und dominanter wird…
Die Übernahmen bis 08/2005 sind hier aufgelistet - und sind schon eine ganze Menge, aber die richtigen Brocken kamen erst dieses Jahr… wie z.B. Writely, Picasa und Neven Vision. Sowie diverse kleine, von denen man nur am Rande hörte und von denen teilweise selbst die großen Newsportale nicht berichteten. Sofern gibt es da keine gute Liste, aber es sind mindestens 20, eher 50+ …
… und dazu kommen dann noch zahllose Zusammenarbeiten wie mit eBay, Adobe, Amazon und TPI, die Google weitere Einflussmöglichkeiten oder Geldquellen eröffnen.
Update! Gerade im Mediablog gefunden: Google zeigt Interesse an YouTube - angeblicher Kaufpreis: 1,6 Milliarden U$-Dollar
Es geht also weiter….
Und dann gibt’s natürlichnoch die diversen Funktionen die google selbst einstellt ohne dafür andere schlucken zu müssen… dazu gehören dann unter anderem:
google Dokumentensuche, google video, google news, google gadgets, google toolbar, google desktop search, google kalender, google adsense, googlemail, …
und irgendwann kommt man dann wieder auf das Motto Don’t be evil zurück - und fragt sich: Wenn ein einzelner Konzern eine so starke Kontrolle über das vermeintlich freie Medium Internet ausüben kann und ausübt, kann das dann wirklich noch gut sein? Wenn so viele Berichte auftauchen, die über die wirklich unschönen Machenschaften dieses Konzerns berichten - erklärt sich da nicht gleich, warum google mit einer Imagekampagne und dem Slogan “Don’t be evil” antwortet? Und haben wir jetzt hier eine Erklärung dafür, warum so unglaublich selbstlos scheinende Dienste wie Googlemail und Google News kostenlos und werbefrei zur Verfügung stehen? Und sollten wir nicht langsam mal Angst bekommen, was Google mit den Informationen, die wir freiwillig liefern, und die alle ganz einfach zu verknüpfen sind, und dem damit entstehenden fast lückenlosen Bild des Internetusers anfängt? - das das an die CIA verkauft wird empfinde ich noch als recht harmlos. Denn wenn man bedenkt, dass Google längst fähig ist, uns mit den gesammelten “geheimen” und “privaten” Informationen, zu erpressen, wenn man bedenkt, dass Google doch leicht kleine Unternehmen gründen könnte, die für ein paar tausend Euro die Möglichkeit bieten, nachzusehen, ob der Partner womöglich eine Affäre hat (Chatlogs, Usenet, Mails, Foreneinträge, …), oder ein Politiker vielleicht doch nicht so ganz sauber ist, wie er vorgibt, dann sollten wir uns wirklich fragen, ob wir nicht langsam Angst bekommen müssen.
Große Angst, dass google doch teuflisch ist und bald eine unglaubliche politische und gesellschaftliche Macht wird, die sich keiner mehr anzugreifen wagen kann… denn wenn jemand irgendetwas gegen google tun will werden einfach mal schnell Suchergebnisse zu dem Namen etwas geändert, durch absichtliche Löcher “Sicherheitslücken” tauchen gezielt private Mails auf, …
Da bleibt mir nur noch ein kleines Gebet an alle Götter dieser Welt:
Please, please, please, google, please, don’t be evil!
Greetz & have a nice life,
K.D.A.S
P.S.: Censor me and prove what I said.

Oktober 10th, 2006 at 13:27
Urgs… bleibt zu hoffen, dass Google nicht noch mächtiger wird! Langsam wirds mir da wirklich zu gruselig und ab jetzt nutze ich trotz persönlicher Abneigung Yahoo… einfach nur weil die nicht so mächtig sind und ich damit eher dem David als dem Goliath unter die Arme greife, auch wenn sie alle irgendwie zusammenarbeiten… Ok, from now on it’s fact: Google buyed YouTube for 1.65 Billion (1 650 000 000) Dollar. That’s what lot’s of big media companies report… …
Oktober 16th, 2006 at 19:03
See also: Google buyed YouTube - KDAS’s political blog & Please, don’t be evil, Google! - KDAS’s political blog …
November 8th, 2006 at 17:22
Einen weiteren interessanten Artikel zur Macht von Google habe ich bei KDAS’s political blog gelesen: “[…] Da bleibt mir nur noch ein kleines Gebet an alle Götter dieser Welt: Please, please, please, google, please, don’t be evil!” …
November 16th, 2006 at 19:19
Aber die Gefahr ist real - schon einer der Konzerne allein ist gefährlich genug, aber auch sie wissen, was für eine gewaltige Macht sie haben werden, wenn sie auch noch zusammen arbeiten. Und die anderen großen Spieler der Computerwelt spielen fleissig mit - z.B. Real, HP, Nokia, Cisco, AOL, France Telecom, eBay (es gibt sogar Gerüchte, da wäre ein 80 Milliarden Dollar schwerer Kauf in Planung…), Intel - sogar die NASA macht mit! …